Die Stifter: Rüdiger und Sieglind Steinhagen
So schnell bringt Rüdiger Steinhagen nichts aus der Ruhe. Ob im Baskenland, Luxemburg, Schweden, Russland und China, in all diesen Ländern hat er für Stahlwerke die Schaltpläne für die Elektrik und Elektronik überprüft und an die bestehenden Anlagen angepasst. Er konstruierte vor Ort und schulte das Personal des Kunden. “Auf einer meiner Reisen bekam ich eine Riesenangst”, erinnert sich der 59-Jährige. Eine Angst, die nicht ohne Folgen bleiben sollte. Es war Sturm, Regen und Nebel, als Steinhagens Flieger mit dreistündiger Verspätung in Frankfurt abhob. Die zwölf Passagiere an Bord der Fokker Friendship erwartete alles andere als eine gute Reise. Bei Sturm und Regen wurden sie gehörig durchgeschüttelt. Da tat der Reisende ein Gelübde: “Wenn ich das hier lebend überstehe, spende ich jährlich ein Prozent meines Bruttogehalts.” Bei der Landung in Luxemburg erkannte Steinhagen ein Model des gleichen Flugzeugtyps, mit abgerissenem Fahrwerk und verbogenen Propellern neben der Piste. Steinhagen überlebte den Flug - und erinnerte sich an sein Versprechen. Jedes Vierteljahr füllte er eine Überweisung auch für die Rummelsberger aus. “Gebetet habe ich noch öfter” verrät der Vielgereiste. In Russland wäre er fast abgestürtzt. Nachdem sein Flugzeug sehr hart auf die Landebahn aufsetzte, brachte es der Pilot erst kurz vor dem Hangar zum Stehen. In Nürnberg erkannte der Kapitän seines Fliegers in letzter Sekunde eine Maschine, die sich auf die falsche Landebahn verirrt hatte. Dass der Tod ständiger Begleiter des Menschen ist, erlebten Rüdiger Steinhagen und seine Ehefrau Sieglind auch im Kreis der Familie. Der Vater starb im vergangenen Jahr, die Mutter leidet an Krebs. “Es kann ganz schnell gehen”, meint das Ehepaar. Die beiden haben keine Kinder und so fragen sie sich: Was wird im Fall des Falles aus ihrer Wohnung, was aus dem hart verdienten Barvermögen? “Biste tot, denkt keiner mehr an Dich”, erklärt Steinhagen offen. Deshalb suchte er nach so etwas wie einem Denkmal. Wie das aussehen könnte, dämmerte ihm, als er im “Gruß aus Rummelsberg” blätterte. Da stand in einem Artikel, dass er mit 5.000 Euro eine eigene Stiftung gründen könnte, die nach ihm benannt sein würde. Beim Stiftungszweck musste das Ehepaar nich lange überlegen. Sie möchten helfen, “wo die Not am größten ist”, sagt Sieglind Steinhagen. Als das Ehepaar ihren Bekannten von dem Plan erzählte, waren auch sie begeistert. In einem Fall wird schon darüber nachgedacht, ob das nicht auch für die Bekannten eine gute Sache sei, ihren Nachlass zu regeln. Denn bei einer Stiftung wird das Kapital nicht aufgezehrt, nur die Einträge werden für den guten Zweck verwendet. Dr. Karl Heinz Bierlein, Rektor der Rummelsberger, bedankte sich herzlich bei den Steinhagens: “Sie sind Menschen, die nicht den ganzen Tag nur über das Unglück der Welt grübeln. Sie handeln lieber und setzen sich für andere ein”. Klaus Leder
DAS EHEPAAR STEINHAGEN GRÜNDETE DIE ERSTE STIFTUNG IM RUMMELSBERGER STIFTUNGSZENTRUM
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